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Auf ein Wort....

 

SONNTAGS AM STAMMTISCH

Ich bekenne: Ich bin ein eingefleischter Stammtischfan. Uuups, werden jetzt einige Leser irritiert und naserümpfend äußern: Der Pastor ein Stammtischfan?! Ja, sage ich: warum denn eigentlich nicht?! Da steht in jeder Eck- oder Dorfschänke ein Tisch. In der Mitte ein überdimensionierter Aschenbecher mit schmiedeeisernem Überbau, auf dem „Stammtisch“ steht, darunter hängt meistens eine Glocke. Am Stammtisch soll ja Volkes Stimme zu hören sein. Hier wird angeblich laut gesagt, was die Leute landauf, landab wirklich meinen, befürchten, kritisieren, anders machen würden oder besser wissen.
In einer solchen Stammtischrunde bin ich – ehrlich gesagt – noch nie aktives Mitglied gewesen. Ich kenne das also nur vom Höhrensagen.
Aber: Jeden Sonntag machen sich in Kreuztal etliche Frauen und Männer auf den Weg zum Stammtisch. Allerdings nicht von der Sorte, wie er in Kneipen steht. Ich meine den Stammtisch Jesu. Auch hier haben einige ihre angestammten Plätze, zum Beispiel in Reihe fünf auf der Kanzelseite oder vierte Reihe von hinten auf der Orgelseite. Für manche ist der „Stammtisch Jesu“ eine Gelegenheit zum Treffen von Freundinnen und Bekannten – gut so!. Vor allem kommt hier aber auf den Tisch, was die Menschen landauf und landab bewegt: Die Sorge um die Gesundheit, der Ärger in der Familie, die Angst vor der Zukunft. Hier wird sich gefreut und ehrlich gedankt für alles Freundliche im Leben. Und die wirklich schwierigen Fragen des Lebens haben auch ihren Platz, selbst wenn es keine einfache Antwort gibt.
Sonntags am Stammtisch Jesu wird nicht ziellos schwadroniert, sondern Herz und Verstand an den rechten Fleck gerückt. Es wird auch nicht geklagt, dass früher alles besser war, sondern die Stammtisch-Schwestern und -Brüder freuen sich, dass alles besser werden kann. Schließlich geht es am Stammtisch Jesu darum, zu hören und zu merken, worauf es ankommt, denn zum Zeitverplempern ist das Leben viel zu schade.
Willkommen also beim Stammtisch in der Kirche sonntagmorgens, dort wo dich keiner fragt, was du hast oder bist.


Ihr Pfarrer Thomas Rabenau