Auf ein Wort....

Kaffee..

Es gibt Zeiten, an denen ich mich morgens mit einem flauen Gefühl an den Schreibtisch setze. Das sind die Tage, an denen ein riesiger Berg Arbeit auf mich wartet. Menschen haben ja ganz unterschiedliche Arten mit einem solchen Druck umzugehen. Manche geraten in Hektik und arbeiten wild drauflos. Andere räumen erst einmal den Schreibtisch auf oder auch die Küche. Dann gibt es die echten Profis. Die sammeln ihre Aufgaben, priorisieren diese und legen dann einen Arbeitsplan fest. Und dann gibt es natürlich auch diejenigen, die erst einmal jammern.Ich persönlich halte ich mich in solchen Zeiten an den Ratschlag, der auf meiner Kaffeetasse steht: „Es gibt viel zu tun, trink erstmal einen Kaffee.“ In der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft. Und dann schlage ich auch mal die Bibel auf. Und lese zum Beispiel im Matthäusevangelium den Text, der mit dem Titel „Die große Ernte“ überschrieben ist. (Mt 9,35-10,10) Jesus sieht das Volk an. Und er sieht, dass es viel zu tun gibt. Das Volk jammert ihn. Das ist eine interessante Formulierung. Er jammert nicht, sondern die Menschen jammern ihn. Im griechischen steht da ein Verb, das im Wortstamm die Bedeutung „Eingeweide“ hat. Jesus sieht die geängsteten und zerstreuten Menschen und es bewegt sein Innerstes. Es schlägt ihm auf den Magen, geht ihm an die Nieren und zu Herzen. Sie brauchen seine Hilfe. Und es sind viele. Vor ihm liegt also auch ein Berg an „Arbeit“. Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Das Problem ist erkannt. Und die Lösung ist denkbar einfach. Jesus beauftragt seine Jünger mitzuarbeiten. Und er gibt ihnen einen klaren Auftrag. Sie sollen in Worten und Taten das Himmelreich anbrechen lassen. Doch bevor es losgeht, grenzt Jesus den Bereich, in dem sie arbeiten sollen, ein. Die Jünger sollen zuerst zu den verlorenen Schafen Israels gehen. Was Jesus tut, klingt vernünftig. Kläre deinen Auftrag, verteile die Arbeit und setze einen Anfangspunkt. Aber in all dem steckt auch etwas zutiefst Geistliches. Jesus drängt uns, nach unserem Auftrag zu fragen. Wofür engagiere ich mich? Was geht mir wirklich zu Herzen? Wie kann ich am Reich Gottes mitbauen? Es tut gut, danach zu fragen. Und es tut auch gut, die Aufgaben in einer Kirchengemeinde einmal daraufhin zu befragen. Und er gibt seinen Jüngern noch etwas Wichtiges mit auf den Weg. Sie sollen den Herrn der Ernte bitten, Arbeiter in die Ernte zu schicken. Beten sollen sie. Das hat etwas Entlastendes. Ich muss nicht alles selber machen. Gott selber kümmert sich. Jesus erinnert seine Jünger an den, der seit jeher für sie gesorgt hat. Sie sollen Gott vertrauen! Jetzt sitze ich wieder vor meinem Kaffee. Und der Berg an Arbeit wirkt schon viel weniger bedrohlich. Ich bin nicht der einzige Berufene. Es gibt Aufgaben, die ich sein lassen kann. Und mein Glaube kann Berge versetzen.
Ihr Pfarrer Thies Friederichs